Südschule Lemgo > Die Südschule > Schule inklusiv gestalten

Haltungen verändern

Alle Kinder haben das Recht auf Teilhabe am schulischen Leben in ihrem Wohnumfeld. Dies ist kein Recht, dass ihnen zugebilligt werden müsste. Dies ist ihr Anspruch von Geburt an. Die Unterzeichnerstaaten der UN-Behindertenrechtskonvention erkennen das Recht aller auf schulische Bildung an und gewährleisten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen.

 

Bislang hat unser (deutsches) Schulsystem von dem Gedanken gelebt, Kinder nach ihren Bedarfen zu kategorisieren und zu fördern, ihnen also Bildung ihrem Defizit entsprechend zukommen zu lassen. Dafür haben die Bundesländer in hervorragender Weise und unter großen Anstrengungen gesorgt. Manches europäische Land und sehr viele außereuropäische schauen bewundernd auf unsere gewachsenen Strukturen und auf die Erfolge.   Aber nun gilt es umzudenken und Schule von der Separation vieler Kinder und anschließender Integration einzelner her neu zu gestalten.

 

Die Entwicklung hin zu einer inklusiven Schule nur im Sinne der Integration von Kindern mit körperlichen Behinderungen oder Lerndefiziten her zu denken wäre falsch. Alle Kinder haben Anspruch auf notwendige Unterstützung im Regelsystem!

 

 

In der englischsprachigen Literatur sind konzeptionelle Eckpfeiler von Inklusion wie folgt zu erkennen:

  • "Inklusion fasst die Heterogenität von Gruppierungen und die Vielfalt von Personen positiv auf.
  • Inklusion nimmt alle Dimensionen von Heterogenität in den Blick und betrachtet sie gemeinsam.
  • Inklusion orientiert sich an der Bürgerrechtsbewegung und ringt um Vermeidung jeglicher gesellschaftlicher Marginalisierung.
  • Inklusion vertritt die Herausforderung des Abbaus von Diskriminierung und Marginalisierung und damit die Vision einer inklusiven Gesellschaft."

(zitiert nach Andreas Hinz, Inklusion - die Herausforderung für jede Grundschule, in: Grundschule aktuell, Heft 117, Februar 2012, S. 3-6)

 

Prozesse verändern

Die Lern- und Arbeitsprozesse in der Südschule haben sich vor zehn Jahren deutlich verändert. In den jahrgangsübergreifenden Klassen haben die Kinder die Steuerung ihres Lernens mit übernommen. Arbeitspläne und Lerntagebücher sind Begleiter der Kinder auf jeder Lernstufe. Jedes lernt auf seinem individuellen Niveau. 

 

Kinder, die mehr Zeit benötigen, haben diese und können mit anderem Material arbeiten. Kinder, die schneller arbeiten, können mehr erreichen und weiterführend an Themen arbeiten, um ihre Erkenntnisse zu vertiefen.

Die Voraussetzungen für die Gestaltung eines „inklusiven Unterrichts“ sind in der Südschule bereits gegeben. Unser Unterricht ist kommunikativ und hat sowohl kooperative als auch subsidiäre und koexistente Anteile, d.h. jeder redet und arbeitet mit (jedem) an gemeinsamen Themen, hilft sich gegenseitig und hat darüber hinaus auch einen eigenen Lerngang zu bewältigen. (vgl. C. Rehle, Grundlinien einer inklusiven, entwicklungsorientierten Didaktik, in: Pius Thoma und Cornelia Rehle (Hrsg.), Inklusive Schule, Leben und Lernen mittendrin, Bad Heilbrunn 2009, S. 183-193)

Hier ist unsere gemeinsame Aufgabe für die Zukunft, das schulische Leben noch umfassender als bisher zu gestalten und helfende Personen im Unterricht für alle mitzudenken. Eltern und Lehrkräfte müssen darüber gemeinsam in den Dialog treten und Erwartungen und Ängste, Chancen und Herausforderungen offen formulieren. Wir nehmen dankbar wahr, dass das Vertrauen der Eltern in die Südschule und in die Arbeit der Lehrkräfte, der ErzieherInnen und der Schulleitung groß ist.

Dies verpflichtet uns, den weiteren Veränderungsprozess sorgfältig und transparent zu gestalten und allen Kinder einen Lebens- und Lernort zu bieten. Das Vertrauen der Eltern verpflichtet uns auch, klar zu formulieren, wo Grenzen des Möglichen sind.

 

Strukturen verändern

Der Schulausschuss der Stadt Lemgo hat in seiner Sitzung im Mai 2012 beschlossen, den Gemeinsamen Unterricht an der Südschule ab dem Schuljahr 2012/13 einzurichten. Im Downloadbereich findet sich der Vortrag der Schulleitung für diesen Abend.

 

Der Unterricht an der Südschule ist durch das jahrgangsübergreifende Lernen ohnehin auf die jeweilige Lernausgangslage der einzelnen Schülerinnen und Schüler ausgerichtet. So fällt es nicht schwer auch Kinder zu integrieren, die einen besonderen Bedarf im Bereich Lernen haben und deshalb lernzieldifferent unterrichtet werden. 

Unsere Sonderpädagogen und unser Sozialpädagoge investieren viel Zeit in Diagnostik und Beobachtung. Genau herauszufinden, welche Unterstützung das Kind zum erfolgreichen Lernen braucht ist Ziel dieser genauen Beobachtungen. Die Sonderpädagogen beraten die Klassen- und Fachlehrer zu ihrem Unterricht bezüglich der bestmöglichen Förderung und Unterstützung des Kindes. 

Neben der Begeleitung der Kinder im Regelunterricht werden auf Grundlage der Diagnostik auch Kleingruppen gebildet, in denen besondere Bedarfe gezielt gefördert werden. Dazu stehen uns die Räume in der "Kleinen Südschule", dem ehemaligen Hausmeisterhaus, zur Verfügung. Hier findet in kleinen, ruhigen Räumen Kleinguppen- und Einzelförderung statt. 

Der individuelle Förderplan jedes Kindes dokumentiert dabei, welche Förderung in welchen Bereichen bei wem stattfindet. So sind die Verantwortlichkeiten für die Förderung für Eltern und LehrerInnen verbindlich festgelegt. Dreimal im Jahr wird der Förderplan evaluiert und fortgeschrieben oder- im besten Fall- der Bedarf bei erfolgreicher Förderung aufgehoben.

 

 

 

Lippische Landeszeitung vom 29.05.2012
Lippische Landeszeitung vom 29.05.2012

Die Landeszeitungs schreibt dazu: "Torsten Buncher, Leiter der Südschule, stellte in einer ausführlichen und inhaltsreichen Präsentation seine Überlegungen zur Inklusion an einer Ganztagsgrundschule vor. Seine These lautete: Jedes Kind lernt anders - Inklusion ist daher nichts Neues, und alle Kinder können dieselbe Schule besuchen. Denn dass ein Kind eine Förderschule besuche, liege nicht im Kind begründet, sondern sei eine willkürliche Entscheidung.

Quelle: Lippische Landeszeitung vom 29.05.12

Lippische Landeszeitung vom 10.05.2012
Lippische Landeszeitung vom 10.05.2012

Der Paralympiker Josef Giesen besuchte die Südschule für einen Tag und machte den Kindern Mut, in dem er ihnen zeigte, dass man auch mit einer großen Einschränkung erfolgreich leben kann. Dabei wurde  durch die Musiker Ian Melrose und und David Roth begleite. Das Café Vielfalt steuerte den Kuchen bei.

Lippe aktuell vom 12.05.12
Lippe aktuell vom 12.05.12

Die Kinder waren von der natürlichen Art Josef Giesens begeistert!